FlixBus geht auf die Schiene

Der Fernbusanbieter FlixBus, bietet im März unter der Marke „FlixTrain“ weitere Zugverbindungen an.
In den Zeitungen und Nachrichtenportalen liest man dazu Schlagzeilen wie „FlixBus greift Deutsche Bahn an“ oder „Warum FlixBus der Bahn gefährlich wird“.

Wirklich neu?

So richtig neu ist das aber nicht. Bereits im August 2017 hatte Leo Express den Anbieter Locomore übernommen und fährt seitdem auf dessen Relation Stuttgart – Berlin, über Heidelberg, Frankfurt und Hannover. Hier ist FlixBus aktuell als Vertriebspartner tätig. Ab April 2018 werden die Fahrzeuge in FlixBus/Train-Grün fahren.
Zusätzlich wird Ende März die Strecke Köln – Hamburg, über Düsseldorf, Essen, Osnabrück, jedoch nicht über Bremen, hinzukommen. Auf der selben Route ist bisher der private HKX unterwegs. Anderes als man im Moment den Eindruck gewinnt, ist der „neue“ FlixTrain kein neuer Zug, sondern der HKX in Grün. Betreiber der Züge sind weiterhin Leo Express bzw. HKX. Durch die FlixTrain „übernahme“ entfällt bei beiden Zügen übrigens die Möglichkeit der Sitzplatzreservierung.

Aus irgendeinem Grund, wird die Betriebsaufnahme von FlixBus, die eigentlich gar keine ist sondern nur ein neuer Name auf zwei bestehenden Zügen, von den Medien gefeiert. Erstmals hätte die Deutsche Bahn AG echte Konkurrenz im Fernverkehr. Was schon ein wenig übertreiben ist, da keine einzige neue Verbindung entsteht und die beiden FlixTrains ohnehin schon nicht rentabel fahren.

Nicht alles glänzt, was grün ist

Überhaupt die Annahme, dass FlixBus einen Bus oder einen Zug bewegt ist schon falsch. FlixBus ist nichts weiter als eine Vertriebsplattform. Die Flixmobility GmbH besitzt und betreibt lediglich ein einziges eigenes Fahrzeug. Theoretisch vertreibt FlixBus die Tickets für die einzelnen Busunternehmen und überwacht deren Qualitätsstandards. Wie gut das Funktioniert, zeigt ein Blick auf die Fernbushaltestelle in Oldenburg. Wenn dort Bruns Reisen (eine Marke der Hülsmann Omnibusbetriebe Verwaltungs GmbH / REISEFREUNDE GmbH & Co. KG) mit einem Mercedes Integro vorfährt. Diese Fahrzeuge verfügen über keines der Merkmale die FlixBus bewirbt, wie W-LAN, Steckdosen oder eine Toilette. Von den Lenkzeitüberschreitungen bei anderen Unternehmen mal ganz abgesehen.
In diesem Zusammenhang interessant, die Bereichte geben als Vorteil von FlixBus / FlixTrain gegenüber dem InterCityExpress (ICE) der Bahn an, sie hätten W-LAN, Steckdosen und demnächst kostenlose Filme und Serien. Naja, alle in betrieb befindlichen ICE Züge, (genauer ICE1 (DB 401), ICE2 (DB 402) ICE3 (DB 403 (neu), DB 406, DB 407), ICE4 (DB 412) und ICE-T (DB 411, DB 415)) verfügen über W-LAN, Steckdosen und im W-LAN ICE-Portal auch über kostenlose Filme und Serien von Maxdome. Die Aussage, die ICE hätten dies alles nicht, ist schlecht falsch. Ob das in jedem Fahrzeug zum Zeitpunkt der Reise funktioniert sei da hingestellt, aber bei FlixBus ist es ebenfalls nicht garantiert.

Bei von FlixBus, und somit auch bei FlixTrain, abgenoteten Reisen gibt es einen weiteren Nachteil. Während man bei der Bahn bei Verspätungen oder Ausfällen einen anderen Zug nutzen kann, insbesondere wenn ein Anschluss nicht erreicht wurde, kann bei über FlixBus vertriebenen Tickets nur der Preis erstattet werden. Einen anderen Bus darf man nicht nutzen. Solange man nicht Umstiegen muss, was bei Fernbussen tatsächlich weniger häufig ist wie bei der Bahn, bleibt nur das Problem eines Ausfalles. Zwar bekommt man sein Ticketpreis zurück, aber man muss ein Ticket für den nächsten/anderen Bus kaufen.

Was kann FlixBus besser?

Worauf stützt sich das Vertrauen in FlixBus, dass sie die beiden Strecken besser bzw. rentabler, betreiben können als die beiden Vorgänger? Günstiger ist FlixTrain nicht. Sowohl HKX als auch Locomore hatten ein massives Problem, der Vertrieb funktionierte überhaupt nicht. Beim HKX hatte man versucht das Problem darüber zu lösen, dass man sich dem DB-Preisystem anschloss und die Fahrzeuge der Kategorie C (Nahverkehr) akzeptierte. Somit war es möglich den Zug mit jedem normalen DB-Fahrschein zu nutzen. Das bedeutet, erstmals könnte es einem privaten Anbieter gelingen seine Tickets mit FlixBus tatsächlich an den Kunden zu bringen.
Zumal grade die Strecke Köln <-> Hamburg auch schon vom Metropolitan Express Train (MET) zwischen 1999 und 2004 befahren wurde. Er wurde, wie überraschend, wegen mangelnder Auslastung wieder eingestellt. Selbst die ICE-Verbindungen über Osnabrück und Bremen sind inzwischen weitgehend eingestellt oder normale InterCity.
Es erscheint sehr zweifelhaft, dass FlixBus das nur durch den besseren Vertrieb hinbekommen soll.

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