F90 – Fern- und Expressverkehrsnetz

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Warnung!

Viele Eisenbahnfans sind Menschen, die auf absoluten Realismus stehen.

Angesprochen gefühlt? Dann diesen Beitrag bitte nicht lesen. Er beschreibt eine art alternative Zeitlinie und nicht den Ist-Zustand.

Im Beitrag „F90 – InterRegio“ werden zwei verschiedene InterRegios vorgestellt, die neben dem InterCityExpress und InterCity verkehren. Auf den ersten Blick ergibt dies nur wenig Sinn. Insbesondere der InterRegioExpress der scheinbar in Konkurrenz zum InterRegio fährt. Der Sinn dieser Verbindungen erschliesst sich erst bei einem Blick auf der Fernverkehrsnetz. So beklagen sich viele Städte (nicht erst seit heute) darüber, dass die vom Fernverkehr abgehängt sind oder werden. Als Beispiel sei Köthen in Sachsen-Anhalt genannt. Dort kämpften die Bürger und die Stadt darum dass die Züge des IC56 (Norddeich – Leipzig) weiterhin hielten.
Andere Städte sind ebenfalls davon betroffen. So liegen Städte wie Stuttgart, Saarbrücken oder Kiel (alle drei Landeshauptstädte) weit abgeschlagen vom Fernverkehr. Zum nächsten Fahrplanwechsel werden diese nur noch von einzelnen Zügen des Fernverkehrs angefahren. Kiel soll in langfristiger Planung nur noch zur Hauptverkehrszeit überhaupt vom Fernverkehr angefahren werden. Fernverkehr sonst nur noch ab Hamburg.
Ausnahme Stuttgart, wo weiterhin noch eine ICE Linie nach München durchgeschliffen wird, alle zwei Stunden. Grade Stuttgart verliert zwei IC-Takt-Linien. Die eine wird, sobald die Talent 3 Fahrzeuge verfügbar sind zum Regionalverkehr und die andere wird durch Doppelstock IC2 Züge ersetzt. Beides Verbindungen die durch die Länder bestellt werden. Die Bahn setzt darauf, dass die Länder die IC Leistungen als RE direkt bestellen. In vielen Bereichen funktioniert das gut, da macht es nichts wenn die IC2 Züge dort fahren, das Angebot entspricht dem RE der sonst gefahren wäre.

Warum macht die Bahn das?

Die Länder stehen ihr im Regionalverkehr extrem feindlich gegenüber und tun alles damit die Bahn ihre Ausschreibungen nicht gewinnen kann, notfalls werden Formfehler erfunden. So holt die Bahn sich verlorenes Geld über IC als RE direktvergaben zurück.
Interessant ist, dass viele dieser IC-Linien früher eigentlich einmal IR-Linien gewesen sind. Grade die eben erwähnten IC56 und die beiden Stuttgarter Linien. Am dessen Ende wurden die Linien in ICs umgewandelt. Damit wollte die Bahn, wie so oft, ihre Bilanz für den Börsengang auf hübschen.

Angebot und Nachfrage

Oft werden solche Entscheidungen mit der fehlenden Nachfrage begründet. Doch, die Nachfrage besteht in diesen Städten durchaus. Ein anderes Problem kommt auf, wenn kein Angebot besteht, kann es nicht genutzt werden. Wird in einer Stadt kein Fernverkehrshalt mit sinnvollen Zielen angeboten, wird niemand das Angebot nutzen. Natürlich, in Kiel fährt ein ICE ab, nach Wiesbaden über Hamburg, Hannover und Frankfurt/Main. Wer nach Wiesbaden, Hannover oder Frankfurt möchte kann diesen Zug nutzen, nach Basel, Berlin, Bremen, Köln, München, Ruhrgebiet oder Stuttgart möchte muss nicht nur umstiegen, dem rät die Reiseauskunft zur Nutzung des RE70 nach Hamburg, wegen bessere Anschlüsse oder man muss nach Hannover durchfahren weil die Verbindungen Hamburg -> Ruhrgebiet nicht zustande kommen. Als Bahn darf man sich da natürlich nicht wundern, wenn die Leute eher Auto und Fernbus nutzen.
Die Frage ist aber, kann die Bahn primär etwas dafür? Da ist die Antwort so ein Jaein mit Tendenz zum Nein. Es gibt keinen politischen Willen und, ganz ehrlich, die Kapazität des Netzes gibt es nicht her. Weder die Strecken noch die Fahrzeuge. Hamburg Hbf arbeitet eh schon über der Kapazitätsgrenze.

ICE/IC Grundnetz

Aktuell besteht das ICE/IC Grundnetz aus folgenden Verbindungen.
Natürlich gehen einzelne Verbindungen darüberhinaus und einzelne Züge fahren auf vielen weiteren Strecken, es gibt also insgesamt sehr viel mehr Fernverkehrsverbindungen wie aufgelistet. Es geht aber nur um die Grundlinien, die Stündlich/zwei Stündlich bedient werden und nicht durch externe Auftraggeber bestellt oder Gesellschaften (wie die CD, DSB oder SBB) gefahren werden.

InterCityExpress

  • Hamburg – Hannover – München
  • Hamburg – Berlin
  • Hamburg – Hannover – Frankfurt – Basel SBB
  • Berlin – Hannover – Ruhrgebiet – Köln
  • Berlin – Leipzig – München
  • Berlin – Hannover – Frankfurt – Stuttgart
  • Köln – Frankfurt – München

ICE1 - Grafiken: Marc Le Gad CC-BY-NC-SA t.w. modifiziert.

InterCIty

  • Hamburg – Bremen – Ruhrgebiet
  • Hannover – Magdeburg – Leipzig

Wenn man sich die reinen IC-Verbindungen ansieht, fällt einem etwas ganz deutlich auf. Die Bahn hat seit Jahren diese Verbindungen konsequent durch Länder-RE oder ICE ersetzt. Viele Experten sehen darin eine direkte Folge der Gewinnoptimierung für den geplanten Börsengangs der Bahn.

Links zum Kartenmaterial

Wer möchte, kann sich das Streckennetz der Deutschen Bahn als PDF ansehen. Dieses findet ihr hier:
https://www.bahn.de/p/view/service/fahrplaene/streckennetz.shtml

Was bringen zusätzliche IRE/IR Verbindungen?

Auf den ersten Blick erscheinen die IRE/IR-Züge ziemlich überflüssig. Doch das täuscht. Bedingt durch die Umwandlung und Einstellung von IR in IC und von IC in ICE, gab es eine starke Verzerrung im Netz. Viele Halte sind dadurch weggefallen oder in sog. Tagesrandlage gedrängt worden.
Problem bei der Bahn, sie konkurrieren gegen die Flugzeug-Direktverbindungen. Da müssen direkte schnelle Züge her, die wenige und nur wichtige Halte bedienen. Eigentlich das Kerngeschäft des ICE. Auf den Strecken wo kein ICE fährt, aber trotzdem schnelle Verbindungen zwischen grossen und wichtigen Städten angeboten werden sollen, gibt es den IC. Allerdings setzt man dort ebenfalls auf ICE-Züge, was … einfach nicht gut gehen kann. Die ICs müssen zusätzlich viele kleinere Halte bedienen, weil, wie schon erwähnt, die Politik sie dazu zwingt.
Der Nutzen von zusätzlichen InterRegio Leistungen, diese können als langsamere Züge diese Stationen anfahren, die von ICE/IC nicht angefahren werden können. Im Gegensatz zu RegionalExpress Zügen können sie aber deutlich längere Streckenverläufe haben. Insbesondere über Landesgrenzen hinaus. Ein Beispiel: Die RE19 (NDS) Fahrten von Wilhelmshaven über Oldenburg nach Bremen, diese entspringen der IR Fahrten von Wilhelmshaven nach Bremen/Leipzig/Berlin/Cottbus. Hier fährt der IR/RE19 die Bahnhöfe Hude und Delmenhorst mit an.
Grade im Hinblick auf die Konkurrenz von den Fernbussen, die von eben diesen Städten abfahren und solche anfahren, die entweder vom Fernverkehr abgehängt wurden oder nur schwer erreichbar sind.

Wie geht das besser?

Wir gehen mal davon aus, es gäbe den politischen Willen und die entsprechende Netzkapazität. Das ist schliesslich die Grundidee des Themenbereiches „F90“. Eben so nehmen wir an, dass in Ostdeutschland die notwendigen Strecken zur Verfügung stehen.
Natürlich sind die schnellen ICE-Strecken zwischen den wichtigen Städten notwendig. Als direkte Alternative zum Flugzeug. Allerdings sollten diese sich wirklich darauf beschränken und andere Strecken im InterCity überlassen, der dann mehr Zwischenhalte bedienen kann.
Beispielsweise auf der Strecke Hamburg – München über Hannover und Würzburg, wo einzelne ICE in Lüneburg, Uelzen, Göttingen und Fulda halten. Schön, dass diese Städte sagen können sie sind ICE-Halt, schöner wäre aber eine Einbindung in einen IC-Takt. Von Kassel-Wilhelmshöhe reden wir mal besser nicht. Diese ICE halten konsequent nur noch in Hamburg (Altona, Dammtor, Hauptbahnhof und Harburg), Hannover und Würzburg (ggf. Nürnberg). Die ICs fahren auf der selben Strecke und halten entsprechend in Lüneburg, Uelzen, Göttingen und Fulda.
Die Idee ist, ein schnelles Grundnetz, mit langsameren Ergänzungslinien und zusätzlichen Verbindern. Darüber soll jeder Punkt erreicht werden können und da sich Umstiege nicht vermeiden lassen, Anschlüsse an geeigneten Knoten hergestellt werden. In etwa wie in der Anfangszeit des InterCity, wo man geeignete Anschlüsse hatte und die, sofern möglich, am selben Bahnsteig.
Auf den Karten wird auffallen, dass z.B. Lübeck nicht vom Fernverkehr angebunden ist. Hier wird davon ausgegangen, dass die Dänische Staatsbahn (DSB) weiter mit ihren Zügen auf dieser Strecke nach Kopenhagen fährt. Es ist wenig sinnvoll wenn hier IC/IRE Züge als Konkurrenz angeboten werden. Von einem solchen Angebot verlieren am Ende beide Bahnen. Was Sinnvoll sein kann, in der Urlaubszeit mit aus Hamburg verlängerten Zügen nach Lübeck zu fahren. Dafür ist aber keine eigene Linie notwendig.

Netzübersicht

Im folgenden ein Überblick über die Linien die sich aus dem oben geschriebenen ergeben. Natürlich bedarf dies an einigen Stellen einen nicht unerheblichen Streckenausbau.
Die Liste ist möglicherweise nicht ganz vollständig, es können insbesondere Zwischenhalte fehlen.

InterCityExpress

Dargestellt sind weitgehend alle Unterwegshalte

  • 1 Hamburg – Hannover – Würzburg – Nürnberg – München
  • 2 Hamburg – Hannover – Frankfurt – Mannheim – Karlsruhe – Offenbach – Basel SBB
  • 2 Hamburg – Hannover – Frankfurt – Mannheim – Suttgart – München
  • 3 Hamburg – Bremen – Ruhrgebiet – Köln – Frankfurt – Mannheim – Suttgart – München
  • 4 Berlin – Hamburg
  • 5 Berlin – Leipzig – Nürnberg – München
  • 5 Berlin – Leipzig – Frankfurt
  • 6 Köln – Ruhrgebiet – Hannover – Berlin
  • 7 Köln – Frankfurt – Würzburg – Nürnberg – München
  • 7 Köln – Frankfurt – Leipzig – Berlin

ICE3 - Grafiken: Marc Le Gad CC-BY-NC-SA t.w. modifiziert.

InterCity

Dargestellt sind die meisten Unterwegshalte

  • 11 Flensburg – Hamburg – Uelzen – Hannover – Frankfurt
  • 12 Kiel – Hamburg – Bremen – Osnabrück – Ruhrgebiet – Köln – Koblenz – Frankfurt
  • 12 Kiel – Hamburg – Bremen – Osnabrück – Ruhrgebiet – Köln – Koblenz – Mannheim – Karlsruhe – Basel SBB
  • 14 Hamburg – Wittenberge – Berlin
  • 15 Hamburg – Uelzen – Hannover – Fulda – Würzburg – München
  • 16 Norddeich – Leer – Oldenburg – Bremen – Hannover – Magdeburg – Leipzig
  • 17 Norddeich – Leer – Münster – Ruhrgebiet – Köln – Koblenz – Trier – Saarbrücken – Luxemburg
  • 18 Leipzig – Berlin – Rostock
  • 19 Dresden – Berlin – Binz
  • 20 Dresden – Leipzig – Nürnberg – München
  • 21 Dresden – Leipzig – Magdeburg – Wittenberge – Hamburg
  • 21 Dresden – Leipzig – Magdeburg – Wittenberge – Rostock
  • 22 Köln – Ruhrgebiet – Hamm – Hannover – Wolfsburg – Berlin
  • 22 Köln – Ruhrgebiet – Hamm – Hannover – Magdeburg – Berlin
  • 23 Köln – Ruhrgebiet – Kassel – Erfurt – Leipzig
  • 24 Köln – Koblenz – Frankfurt – Würzburg – Nürnberg – Passau
  • 25 Aachen – Düren – Köln – Ruhrgebiet – Fulda

IC-T 411 - Grafiken: Marc Le Gad CC-BY-NC-SA t.w. modifiziert.


DB 182 + IC - Grafiken: Marc Le Gad CC-BY-NC-SA t.w. modifiziert.

InterRegioExpress

Dargestellt sind wichtige Unterwegshalte

  • 31 Flensburg – Neumünster – Hamburg – Lüneburg – Uelzen – Celle – Hannover
  • 32 Hamburg – Bremen – Osnabrück – Reine
  • 33 Hamburg – Rostock – Binz
  • 34 Norddeich – Leer – Münster – Ruhrgebiet – Köln – Koblenz – Trier – Saarbrücken
  • 35 Hannover – Goslar – Magdeburg – Berlin
  • 36 Dresden – Leipzig – Berlin – Rostock – Binz
  • 37 Köln – Koblenz – Mannheim – Stuttgart – Singen – Basel SBB
  • 37 Köln – Koblenz – Mannheim – Stuttgart – Singen – Zürich HB
  • 38 Trier – Saarbrücken – Mannheim – Stuttgart – Ulm – Lindau
  • 39 Karlsruhe – Stuttgart – Aalen – Nürnberg
  • 40 Karlsruhe – Stuttgart – Ulm – Nürnberg
  • 41 Augsburg – Ulm – Aulendorf – Ravensburg – Lindau
  • 41 Augsburg – Ulm – Aulendorf – Ravensburg – Konstanz
  • 42 Wilhelmshaven – Oldenburg – Osnabrück – Münster – Ruhrgebiet

187 + IRE Langzug - Grafiken: Marc Le Gad CC-BY-NC-SA t.w. modifiziert.


IRE-TD 605 - Grafiken: Marc Le Gad CC-BY-NC-SA t.w. modifiziert.

InterRegio (Auswahl)

Dargestellt sind wichtige Unterwegshalte

  • Aachen – Mönchengladbach – Düsseldorf – Ruhrgebiet
  • Aachen – Düren – Köln – Düsseldorf – Ruhrgebiet
  • Münster – Düsseldorf – Köln – Koblenz
  • Stuttgart – Esslingen – Reutlingen – Tübingen
  • Stuttgart – Böblingen – Rottweil – Tuttlingen – Konstanz
  • Stuttgart – Esslingen – Deutlingen – Endlingen – Altshausen – Aulendorf
  • Würzburg – Ansbach – Ingolstadt – München
  • Wilhelmshaven – Oldenburg – Bremen – Hannover – Goslar
  • Wilhelmshaven – Oldenburg – Osnabrück

DB 245 + IR - Grafiken: Marc Le Gad CC-BY-NC-SA t.w. modifiziert.


Talent2 IR - Grafiken: Marc Le Gad CC-BY-NC-SA t.w. modifiziert.

Zusätzliche internationale ICE/TGV/RJ Linien (Auswahl)

Dargestellt sind wichtige Unterwegshalte

  • Frankfurt – Würzburg – Nürnberg – München – Wien (RJ)
  • Frankfurt – Würzburg – Nürnberg – München – Budapest (RJ)
  • Frankfurt – Köln – Aachen – Brüssel
  • Frankfurt – Köln – Amsterdam
  • Paris – Mannheim – Frankfurt (TGV)
  • Paris – Mannheim – Suttgart – München (TGV)
  • Hamburg – Lübeck – Puttgarden – Kopenhagen (DSB)
  • Hamburg – Flensburg – Frederica – Kopenhagen (DSB)
  • Hamburg – Flensburg – Frederica – Aalborg (DSB)

Die Wirklichkeit

Zum Abschluss noch ein Hinweis darauf, was wirklich geplant ist.
http://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/G/BVWP/bundesverkehrswegeplan-2030-deutschlandtakt.html?nn=216420